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Virus-Proteste: Unser Land darf sich nicht von Radikalen verrückt machen lassen

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Mehrere Zehntausend Menschen demonstrierten am Samstag in Berlin gegen die Corona-Beschränkungen. Für Aufsehen und Empörung sorgten aber vor allem Ereignisse vor dem Bundestag, die zu Recht bestürzten. Aber Deutschland darf sich davon nicht verrückt machen lassen.

Demonstranten mit schwarz-weiß-roten Reichsflaggen stürmen auf die Treppe des Reichstagsgebäudes. Zunächst nur wenige Polizisten stellen sich ihnen in den Weg.

Der politische Aufschrei auf diese Aktion am Rande der Corona-Demo folgte prompt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier etwa sprach von einem „unerträglichen Angriff auf das Herz unserer Demokratie“ und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sagte: „Es betrifft uns alle, wenn eine gewaltbereite, ersichtlich rechtsradikale Minderheit den Sitz der Volksvertretung stürmen will.“

 Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

Die Rechtsextremen haben ihr Demonstrationsrecht missbraucht

Natürlich müssen die Vorfälle vom Wochenende scharf verurteilt werden. „Feinden der Demokratie muss die Stirn geboten werden“, wie der Bundespräsident am Montag richtigerweise betonte. Die Rechtsextremen und ihre dubiosen Mitstreiter auf den Stufen des Bundestags haben ihr Demonstrationsrecht missbraucht.

Doch den Fokus nur auf diesen „Sturm auf den Reichstag“ zu legen, würde den Demonstranten von Berlin nicht gerecht werden. Denn bei dem Großteil der Demo-Teilnehmer vom Wochenende handelte es sich um Menschen, die friedlich ihre Meinung und ihre Kritik zum Ausdruck brachten. Unter ihnen sind Verschwörungstheoretiker und sie alle müssen sich fragen lassen, warum sie Seit‘ an Seit‘ mit Rechtsextremen demonstrieren.

Verzerrtes Bild der Situation

Aber sie nahmen mit ihrer Teilnahme an der Demonstration ein demokratisches Grundrecht wahr. Die meisten von ihnen versuchten sich auch an Abstandsregeln zu halten und feierten gar mit Sprechchören die Polizisten. Diese Menschen – ob man ihre Sichtweisen nun teilt oder nicht – mit einer gewaltbereiten Minderheit in einem Topf zu werfen, vermittelt zumindest ein verzerrtes Bild der Situation.

Die große Mehrheit der Menschen in unserem Land befürwortet den Kurs der Bundesregierung im Umgang mit dem Coronavirus und unterstützt auch die geltenden Regeln. Nur elf Prozent lehnen laut ARD-Deutschlandtrend die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ab. Dass es Menschen gibt, die diesen elf Prozent auf Demonstrationen Gehör verschaffen, ist legitim. Denn klar ist auch: Das Virus verunsichert – und es bringt Menschen in unserem Land in Existenznöte. 

Alle Informationen zur Berliner Corona-Demo im Ticker von FOCUS Online.

Der Bundestag ist kein abgeschotteter Bunker

Wenn aber nun der fragwürdige Auftritt dieser extremen Minderheit vor dem Bundestag unnötig viel Aufmerksamkeit bekommt, wird die große Mehrheit der friedlichen Demonstranten ignoriert. Und diese Aufmerksamkeit spielt letztlich einzelnen Radikalen in die Karten. Denn genau das ist es, was sie erreichen wollten. Deutschland darf sich von dieser Minderheit nicht verrückt machen lassen.

Die Erkenntnisse, die wir aus den Vorfällen vom Wochenende ziehen, müssen tiefgreifender sein. Deutlich wurde nämlich auch, dass das Reichstagsgebäude kein abgeschotteter Bunker ist, sondern ein sichtbares, besuchbares und offenes Gebäude. Die Absperrungen rund herum sind niedrig, sie zu überwinden, ist nicht schwer. Ganz bewusst ist der Deutsche Bundestag kein völlig hermetisch abgeriegeltes Gebäude – ein Zeichen der Freiheit in unserer Demokratie.

Lesen Sie auch: Im Sonnenschein von Berlin zeigen die Corona-Demonstranten zwei Gesichter

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