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Paartherapeutin erklärt, warum Krise für unser Liebesleben ein Turbo-Detox ist

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Gastbeitrag von Heike Melzer: Weniger Porno, mehr Candle-Light: Für unser Liebesleben ist Corona ein Turbo-Detox

Oft wissen Paare in Konflikten gar nicht mehr, worum es eigentlich geht. Die Entschleunigung in der Corona-Krise hat bei vielen klärende Gesprächen bewirkt und die ein oder andere Ehe gerettet, sagt Paartherapeutin Heike Melzer. Und: Kontaktverbot, geschlossene Bordelle und reduzierter Pornokonsum waren ein Detox für unser Liebesleben.

Das kollektive Gedächtnis der Weltbevölkerung wird die Erlebnisse im Corona-Jahr 2020 ähnlich intensiv im Gedächtnis abspeichern wie den Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001. Doch die Erinnerungen jedes Einzelnen werden sehr unterschiedlich sein.

Als Paar- und Sexualtherapeutin blicke ich in meiner täglichen klinischen Arbeit mit Klienten und Paaren in den Mikrokosmos der Veränderungen von Beziehung, Sexualität, Liebe und Familie. Ganz nach Max Frisch’ Motto: „Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“ habe ich in der Zeit der Pandemie sehr viele gute Entwicklungen gesehen. Von einigen möchte ich hier stellvertretend berichten:

“Hätte es Corona nicht gegeben, wäre die Ehe auseinander gegangen”

„Hätte es nicht Corona gegeben, die Ehe wäre auseinander gegangen“, so einer meiner Klienten. Seine Koffer standen schon gepackt vor der Tür, als Deutschland seine Grenzen sukzessive schloss. Aus Mitleid gewährte ihm seine Frau für die Zeit des Shutdowns Unterschlupf. Die Entschleunigung der folgenden Wochen brachten außer Streitgespräche auch lange Spaziergänge, Fahrradausflüge, gemeinsame Kochabende und ganz nebenbei auch offene Gespräche und neue Erkenntnisse.

„Wir führten ein Leben auf der Überholspur. Unsere gegenseitigen Ansprüche wuchsen dabei in den Himmel. Corona hat uns geholfen unsere hausgemachten Probleme zu relativieren und uns dankbar zu machen für die jeweiligen Stärken des anderen“, so das schöne Resümee des Paares in der Rückschau.

Oftmals wissen Paare in den verwobenen Konflikten nämlich gar nicht mehr, um was es ursprünglich einmal ging. Der Feind im Außenfeld kann wieder Schulterschluss bewirken – und Sinnhaftigkeit von Partnerschaften hervorbringen, in denen man erst in schlechten Zeiten zu schätzen weiß, wen man an seiner Seite hat.

Über Heike Melzer

Heike Melzer ist Fachärztin für Neurologie und Psychotherapeutin mit eigener Praxis in München. Dort hat sie sich auf Sexual- und Paartherapie spezialisiert. 2018 veröffentlichte sie ihr Buch „Scharfstellung – die neue sexuelle Revolution“, in dem sie sich mit dem Wandel von Sexualität und Intimität befasst sowie mit dem Einfluss, den die immer weiter wachsende Pornoindustrie darauf nimmt.

Weitere Informationen: www.dr-med-heike-melzer.de

Inventur von Gewohnheiten – auch in der Partnerschaft

Corona beeinträchtigt unser aller Sicherheitsgefühl und die hohe Geschwindigkeit der Veränderungen von Grenzschließungen, Ausgangsbeschränkungen und Reisewarnungen führten zu einem Anstieg unser aller Stress-Pegels. Stress aktiviert bekanntlich Ressourcen, die einige dazu nutzen, die letzten Hamsterkäufe durchzuführen, um sie dann zu Hüft-Gold umzuwandeln.

Andere hingegen übten sich in Besonnenheit und nutzen die Zeit für eine persönliche Inventur: Was ist im Leben wirklich wichtig, was kann weg, was darf hinzukommen? Auf der Liste der zu streichenden Dinge ganz oben stand bei meinen Klienten Nikotin und das Überdenken von Ernährung hin zu der Stärkung des Immunsystems: regionales Slow-Food statt internationales Fast-Food. Die Zubereitung von Speisen am heimischen Herd war ein sehr positiver Effekt mit schönen Erlebnissen des Zusammenhalts und der Fürsorge innerhalb von Familien, Partnerschaften und WGs.

Auch konnte die Zeit für private oder berufliche Reisen, die in den vergangenen Monaten wegfielen, sinnvoll in das Erlernen neuer Fähigkeiten gesteckt werden: Yoga, Fitness, Meditation und Co. lassen sich auch hervorragend online im heimischen Wohnzimmer erlernen, so das Fazit vieler Klienten. „Do it yourself“ bekam so eine neue und positive Dimension.

Geschlossene Bordelle, weniger Porno: “Viele schafften es, in Phase der Ruhe mit Sex-Gewohnheiten zu brechen”

Ein steigender Anteil meiner Klienten in meiner Praxis hat Schwierigkeiten in der Impulskontrolle ihrer Sexualität. Grund dafür ist, dass starke sexuelle Reize durch Pornographie, Sex-Toys und unverbindliche und käuflich wechselnde Sexualpartner frei verfügbar konsumiert werden können. Dass ein hedonistischer tabuloser Lebenswandel immer öfter Kollateralschäden im Bereich Gesundheit, Partnerschaft und Arbeit hervorruft, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Süchtige oder zwanghafte sexuelle Verhaltensweisen sind mittlerweile von der WHO als psychische Störung anerkannt.

Deutschland – Deine Chancen

So wirkte die Entschleunigung für die in sexuellen Welten Getriebenen als eine Art Turbo-Detox: Bordelle schlossen und schnelle Sexpartner ließen sich in sozialer Distanzierung auf 1,5 Meter Entfernung nur schwerlich finden. Viele meiner Klienten schafften es in der Phase der Ruhe mit schlechten Gewohnheiten zu brechen.

So wurde der Pornokonsum ganz bewusst auf ein Minimum heruntergefahren. Grund hierfür war nicht selten auch eine geringe Chance der Ausweichbewegung, da sich viele Personen über längere Zeit in der gemeinsamen Wohnung dank „Home-School“ und „Home-Office“ begegneten. Auf Dating-Börsen ließen sich Menschen mehr auf ihr Gegenüber ein, ohne von einem zum nächsten Partner im Stakkato-Takt ruh- und rastlos zu wechseln. Ich hörte von langem Gedankenaustausch über Email und Chat, romantische erste Candle-Light-Dinner via Video und gemeinsame Spaziergänge auf Abstand als positive Bilanz der Pandemie.

Liebe im Lockdown: “Es war wie damals, als es noch Brief-Freundschaften gab”

„Es war ein wenig wie damals, als es noch Brief-Freundschaften gab“, so ein Paar, das zwischen München und Salzburg eine sehr leidenschaftliche erste Zeit online verbrachte, bevor sie sich tatsächlich face-to-face im realen Leben treffen konnten.

Qualität steht vor Quantität und heute ist weniger mehr. Dies gilt nicht nur in der Architektur oder beim Essen – sondern ganz besonders auch in der Liebe.

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„Scharfstellung – die neue sexuelle Revolution“ von Heike Melzer

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