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Nachhaltig einkaufen

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Mittwoch, 22.07.2020, 18: 02

Gesund soll es sein, gut für die Umwelt – und im besten Fall auch noch schmecken. Nachhaltige Ernährung ist oft schwer umzusetzen, insbesondere, wenn man nur wenig Geld zur Verfügung hat. Ich habe mich auf die Suche nach der Ernährung gemacht, die mir, meinem Geldbeutel und unserem Planeten gut tut.

Auf dem Streifzug durch den Supermarkt, bei der Wahl von Obst, Gemüse, Milch oder Fleisch stehe ich oft vor der Frage: Bio? Regional? Oder doch ganz normal? Nachhaltige Lebensmittel sind häufig doppelt so teuer wie konventionelle, leisten kann ich mir das mit Anfang 20, in einer Stadt wie München lebend, eigentlich nicht. Auf die Umwelt würde ich aber trotzdem gerne achten, meine Ernährung nicht nur gesund, sondern nachhaltig gestalten. Geht das? Auch mit wenig Geld?

Pflanzliche Ernährung: Gut für mich und die Umwelt

„Für die Umwelt gilt eigentlich das Gleiche wie für unseren Körper“, erklärt Daniela Krehl, Ernährungsberaterin von der Verbraucherzentrale Bayern. „Je naturbelassener, je weniger verarbeitet, umso besser.“

In erster Linie gehe es also gar nicht darum, ein Bio-Produkt zu kaufen. Wichtiger sei es stattdessen, den Fokus auf eine pflanzliche Ernährung zu legen. „Ein Kilo Fleisch braucht in der Herstellung etwa sieben Mal so viel Energie wie ein Kilogramm an pflanzlichen Lebensmitteln. Denn das Tier musste vorher ja auch ernährt werden. Wenn Sie die Pflanzen, etwa Getreide oder Kartoffeln, hingegen selbst verzehren, belasten Sie die Umwelt wesentlich weniger.“

Dass diese Ernährungsweise nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für mich ist, zeigt ein Blick auf den Ernährungskreis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. „Dieser sieht vor, dass zwei Drittel der Ernährung pflanzlich sein sollten, nur ein Drittel tierisch“, erklärt Krehl. „Konzentrieren Sie sich also zunächst auf Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Nudeln, dann auf Gemüse und schließlich auch auf Obst.“

Wer so esse, müsse sich auch über Vitamine oder Mineralstoffe keine Gedanken machen. „Mit dieser Ernährungsweise decken Sie schon zwei Drittel Ihres Speiseplans – und das auch noch nachhaltig.“

Die Kolumne “In kleinen Schritten die Welt retten”

Das Klima auf der Erde wandelt sich. Unser Umgang mit dem Planeten und seinen Ressourcen hat dazu beigetragen. Wenn wir die Erde noch retten wollen, müssen wir umdenken – im Großen, wie auch im Kleinen.

Deshalb nehmen wir uns in dieser Kolumne jede Woche einem Konsumthema an und fragen uns: Geht das auch nachhaltiger? Wir möchten dadurch unser eigenes Verhalten reflektieren und so vielleicht auch Ihnen den ein oder anderen Impuls mitgeben.

Alle Folgen unserer Kolumne finden Sie hier.

Machen Sie auch Erfahrungen im Alltag zum Thema Nachhaltigkeit, wozu Sie vielleicht noch nicht die richtigen Antworten oder Ratschläge gefunden haben? Dann schreiben Sie uns gerne an konstruktiv@burda-forward.de. Wir freuen uns auf Ihre Ideen!

Bio-Produkte: Teuer, aber nachhaltig und gesund

Schaut man sich das Obst und Gemüse im Supermarkt etwas genauer an, begegnen einem Label wie „Bio“, oder „Ohne Gentechnik“. Auch regionale Produkte gibt es viele. Doch welche Wahl ist da nachhaltiger? Lieber die Bio-Gurke aus Spanien – oder die deutsche, regionale?

„So pauschal lässt sich das leider nicht sagen“, erklärt Daniela Krehl. „Aber grundsätzlich gilt: Hat ein Produkt Bio-Qualität, dann wurde bei seiner Herstellung auf chemische Substanzen und Düngemittel verzichtet. Zudem wird die Artenvielfalt berücksichtigt, die biologische Qualität beläuft sich dann auf den ganzen Kreislauf der Produktion. Der Bauer füttert sein Rind mit Bio-Futter – und düngt daraufhin mit natürlichen Mitteln, mit Gülle.“ Meist sparten diese ökologischen Kreisläufe zudem auch viel Energie.

Bio ist also teuer, aber hat offenbar auch eine gute Ökobilanz, einen kleineren CO2-Abdruck. Muss ich dafür aber so tief in die Tasche greifen? Gilt das nicht auch für regionale Produkt? Die stammen immerhin aus der Gegend, sind somit doch noch klimasschondender als Bio-Produkte aus anderen deutschen Regionen und vorallem als die aus anderen Ländern – oder?

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Regionalität: Kein Garant für Nachhaltigkeit

„Regionalität steht leider nicht immer für eine gute Öko-Bilanz“, warnt Krehl. „Ein im Frühling geernteter Apfel aus Neuseeland hat einen besseren ökologischen Fußabdruck, als etwa ein im Herbst in Deutschland geernteter.“ Das klingt paradox, für den Verbraucher absolut verwirrend.

„Schuld ist die Lagerung“, führt Krehl weiter aus. „Werden die Äpfel im Herbst geerntet, ist die notwendige Lagerung, um zu frisch zu halten, sehr energiereich“. Dieser Energieaufwand sei so groß, dass er den des Transports der neuseeländischen Äpfel übersteige.

„Der Transport ist ein wichtiger Faktor, wenn es um Nachhaltigkeit geht“, erklärt die Ernährungsexpertin. „Nicht-regionale Lebensmittel kommen zwar oft aus der ganzen Welt, werden aber in riesigen Frachtern transportiert. Der CO2-Abdruck wird, heruntergerechnet auf einen einzelnen Apfel, also relativ gering.“ Nicht so bei regionalen Produkten, mit denen die Bauern oft nur einzelne Supermärkte belieferten.  

Das ist für den Verbraucher schwer zu durchschauen. „Es wäre vielleicht eine Möglichkeit, Lebensmittel künftig mit einer CO2-Kennzeichnung zu versehen“, meint Krehl. Das schlage etwa das schwedische Lebensmittelunternehmen „Oatly“ vor, das dazu eine Petition dem deutschen Bundestag vorgelegt hat. „Eine verständliche, einheitliche und staatliche Kennzeichnung könnte viel Orientierung geben“, so Krehl.

Ein solches Label gibt es aber bislang noch nicht. Wie kann ich denn dann sichergehen, dass meine Produkte wirklich nachhaltig sind?

Saisonal einkaufen: Günstig und gut für die Umwelt

Wer wirklich regional einkaufen will, sollte laut Krehl zum Bauern oder auf den Markt. „Saisonale Lebensmittel sind auf dem Markt beim Bauern auch nicht wesentlich teurer als im Supermarkt“, meint Krehl. Diese hätten vielleicht nicht immer Bio-Qualität, dennoch könne man dabei sichergehen, dass keine zu hohen Lagerkosten und Transportwege angefallen seien. Der CO2-Abdruck dieser regionalen Lebensmittel ist also relativ gering.

„Wer nachhaltig einkaufen will, sollte bei Obst und Gemüse ohnehin auf die Saison achten“, rät die Ernährungsexpertin. Das könnten im Sommer etwa Erdbeeren sein, im Herbst Kürbis. Auch wenn Bio-Produkte generell teurer seien, während ihrer Saison seien sie auf jeden Fall erschwinglicher. „Obst und Gemüse, welches gerade geerntet wurde, kostet eben weniger“.

Selbst kochen, Reste verwerten: Unbequem, aber umweltfreundlich

Mal abgesehen vom Einkauf und den Produkten  – in Sachen Nachhaltigkeit spielt auch das Thema Verschwendung eine große Rolle.

 „In Industrieländern sind wir Verbraucher schuld daran, dass viele Lebensmittel weggeschmissen werden“, erklärt Daniela Krehl. Allein in Deutschland landen jährlich 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll.

„Befassen Sie sich mit den Lebensmitteln, die Sie kaufen“, rät Krehl. „Kochen Sie öfter selbst, bereiten Sie Ihre Mahlzeiten selbst zu.“ Natürlich, es ist bequemer, die Melone oder Ananas schon fein in mundgerechten Stückchen geschnitten zu kaufen. Nachhaltiger wäre es stattdessen, die ganze Melone zu kaufen, zumal dann keine Plastikverpackung anfällt. Und günstiger ist das Obst am Stück auch. „Und wenn Sie Reste übrig haben, dann verwerten Sie diese am nächsten Tag zu einem neuen Gericht – und schmeißen Sie diese nicht einfach in die Tonne“, rät die Ernährungsexpertin.

Wer sich wirklich mit seinem Einkauf auseinandersetzt, bewusst mehr Geld für etwas Gesundes und gleichzeitig Nachhaltiges ausgibt, der weiß die Lebensmittel laut Krehl auch eher zu schätzen.

Das ist mir klar. Wer eine verhältnismäßig teure Bio-Zucchini kauft, überlegt es sich zweimal, ob er aus den Resten vom Vortag nicht noch ein neues Gericht zaubern kann. Wer seine Milch beim Bauern kauft, probiert zuerst, ob sie nicht auch am dritten Tag noch gut ist, bevor er sie in den Abfluss kippt.

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Foodsharing: Unkonventionell, aber effektiv

„Abgesehen davon, ob Sie sich Bio- und regionale Produkte leisten können oder wollen. Es gibt so viele weitere Methoden, um nachhaltig einzukaufen und zu essen“, erklärt Krehl. Ja, auch das leuchtet mir ein. So könnte ich etwa im Supermarkt darauf achten, ob Lebensmittel aufgrund ihres bald ablaufenden Mindesthaltbarkeitsdatums günstiger angeboten werden. Somit spare ich nicht nur Geld, sondern rette die Produkte vor der Mülltonne.

„Es gibt auch Foodsharing-Institutionen“, meint Krehl, „zudem bieten viele Supermärkte oder Restaurants kurz vor Feierabend günstig Lebensmittel und Gerichte an, die sonst weggeschmissen würden“, erklärt Krehl weiter. Ein Beispiel dafür ist die App ‚To good to go‘, mit der man sich kurz vor Ladenschluss eine günstige Portion im Lieblingsrestaurant sichern kann. Auch Bio-Märkte bieten dort Gemüseboxen an.

Der Weg zum Einkauf: Der eigentliche CO2-Abdruck

Abschließend erklärt Krehl: „Viel wichtiger, als die Auswahl der Lebensmittel, ist jedoch, wie Sie zum Supermarkt gelangen. Ob Sie mit dem Auto-, oder dem Rad fahren – das macht einen großen Unterschied.“

Mein Fazit also: Die Vorstellung, dass Bio-Produkte grundlegend zu teuer für mich sind, muss ich vielleicht überdenken. Ich werde künftig darauf achten, welches Obst und Gemüse Saison hat und welche Lebensmittel ich abseits vom Supermarkt kaufen kann. Ich halte die Augen nach Produkten offen, die heruntergesetzt sind, weil sie sonst weggeschmissen würden. Aber egal, was künftig in meinem Korb landet, ob ich den Supermarkt oder den Bauernhof ansteuere – ich werde auf jeden Fall mit dem Rad hinfahren.

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