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Massenflucht steht bevor: Europa muss jetzt mit Afrikas Diktatoren brechen

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Nach den Flüchtlingsströmen 2015, sehen zunehmend mehr Afrikaner keine Zukunft in ihrer Heimat und setzen auf ein besseres Leben in Europa. Dabei muss es in Europas Interesse liegen, Afrika vor dem Untergang zu bewahren.

Wer erinnert sich nicht an die Bilder des Sommers 2015: Endlose Trecks von Menschen, die zu Fuß von einer Grenze zur nächsten zogen. In Budapest campierten Tausende Gestrandeter – ohne dass sie von den Behörden mit Wasser und Essen versorgt oder ihnen Toiletten zur Verfügung gestellt wurden. Am 4. September 2015 machten sich Flüchtlinge zu Fuß auf den Weg zur österreichischen Grenze. Sie marschierten auf der Autobahn, während neben ihnen Fahrzeuge vorbeirasten.

Über den Autor:

Prinz Asfa-Wossen Asserate ist Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten und politischer Analyst. Zuletzt erschien von dem Bestsellerautor das Buch: „Die neue Völkerwanderung: Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten.” Darin analysiert der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers die Ursachen der Massenflucht.

An diesem Tag beschloss die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die verzweifelten Menschen nach Deutschland einreisen zu lassen. Für eine Weile standen die Grenzen offen in Europa. Hundertausende Flüchtlinge strömten nach Österreich und Deutschland.

Deutschlands “Willkommenskultur”

Und die Deutschen zeigten diesen Menschen ihr freundliches Gesicht. Überall wurden provisorische Unterkünfte errichtet, Betten und Toilettenwagen beschafft und Essensausgaben organisiert. Tausende Freiwillige boten ihre Hilfe an: Sie sammelten Kleider, Spielzeug, Essen und Medikamente und versorgten die Ankommenden mit dem Nötigsten. Erschöpften, ungläubig schauenden Kindern wurden Puppen und Plüschtiere in die Hände gedrückt. „Refugees Welcome“, stand auf vielen Plakaten. Ein deutsches Wort machte in Europa die Runde: „Willkommenskultur“.

Viele glaubten damals, das Beispiel Deutschlands würde in ganz Europa Schule machen, und auch die anderen Länder der EU würden sich ihrer Verantwortung für das Leid der flüchtenden Menschen bewusst werden. Doch die Euphorie verebbte schnell. Abschreckung und die Sicherung der Außengrenzen wurden zum neuen Gesicht Europas.

Afrikanische Völkerwanderung steht noch bevor

Die Zahl der Asylanträge und die Flüchtlingszahlen in Europa sinken seitdem jedes Jahr. Doch die Welt ist weiter aus den Fugen. Waren 2015 nach dem Bericht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) 65,3 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, so waren es 2019 bereits 79,5 Millionen. Die meisten Menschen fliehen immer noch aus den islamischen Krisengebieten in Syrien und Afghanistan nach Europa. Nur ein kleiner Prozentsatz der Flüchtlinge, die nach Europa gelangen, stammt bisher aus Afrika. Aber dass die Zahl der Afrikaner riesig ist, die ihre ganze Hoffnung auf Europa setzen, daran besteht kein Zweifel. Ich bin überzeugt: Die eigentliche Völkerwanderung aus dem afrikanischen Kontinent steht Europa noch bevor.

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Kein Risiko zu groß

Derzeit sitzen zehntausende Afrikaner, die es unter Lebensgefahr durch die Wüste Sahara nach Libyen geschafft haben, in überfüllten Auffanglagern fest. Niemand in dem zerfallenen Staat kümmert sich um sie. Es gibt Berichte von moderner Sklaverei in diesen Gebieten. Für Frauen und Kinder gibt es keinen Schutz. Die Menschen harren aus, in der vagen Hoffnung, einen Platz in einem der überfüllten Schlauchboote zu ergattern, für die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer nach Europa.

Man könnte den Menschen zurufen, wisst ihr überhaupt, was euch in Europa blüht? Ein Leben in Asylunterkünften, oft Jahre lang? Aber all das wissen die jungen Afrikaner. Sie leben nicht hinter dem Mond. Sie haben Zugang zu Smartphones und Internet. Sie haben Menschen getroffen, die ihnen von ihren Erlebnissen berichtet haben. Niemand verlässt gerne sein Herkunftsland, seine Freunde und Verwandten, seine gewohnte Umgebung für eine unsichere Zukunft. Was also treibt die Menschen in die Flucht? Es geht ihnen um die nackte Existenz. Sie verlassen ihre Heimat, weil sie dort nicht leben können oder weil sie aus Angst vor Verfolgung nicht in der Lage sind, frei zu atmen. Sie lassen alles zurück und machen sich auf den Weg. Kein Risiko scheint ihnen dabei zu groß.

Europa muss Afrikapolitik reformieren

Was kann Europa tun? Es gibt aus meiner Sicht nur eine Chance: Wir müssen die Lebensbedingungen der Menschen in Afrika verbessern, damit es nicht zu diesem gewaltigen Exodus kommt. Nur wenn die Afrikaner eine Zukunft in ihrer Heimat sehen, werden sie bleiben. Europa sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass diese Völkerwanderung durch Patrouillen auf See, durch Zäune oder Mauern auf Dauer aufgehalten werden könnte.

Europa muss seine Afrikapolitik der letzten 60 Jahre in Frage stellen. Milliarden an Entwicklungshilfegeldern sind in den letzten Jahrzehnten in den schwarzen Kontinent geflossen. Aber die Lebenssituation der Menschen in den meisten afrikanischen Ländern hat sich kaum gebessert. Woran liegt das? Versuche darauf eine Antwort zu finden, füllen ganze Bibliotheken.

Sicher ist, Afrika braucht eine Hilfe zur Entwicklung, die nachhaltig ist und auf Eigeninitiative setzt. Es gilt, die Frauen zu fördern. Sie sind der Schlüssel zu Afrikas Zukunft. Vor allem aber muss Europa darauf setzen, dass Afrika endlich gut regiert wird. Viel zu oft erreichen die Entwicklungsgelder nicht diejenigen, für die sie bestimmt sind. In den Händen der herrschenden Kleptokraten wird das Geld zum Instrument des Machterhalts und liefert das Schmiermittel für die grassierende Korruption.

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Mehr als unbedeutende Lippenbekenntnisse

Europa muss endlich Schluss machen mit der fatalen Appeasement-Politik gegenüber Afrikas Potentaten. Die politischen Eliten in den meisten Ländern Afrikas profitieren vom Status quo. Sie sind an Veränderungen nicht interessiert. Das Wohl ihrer Landsleute ist ihnen gleichgültig. Es geht nicht darum, den Regierenden vorzuschreiben, wie sie ihr Land zu führen haben oder ihnen das Staatsmodell der westlichen Demokratien zu oktroyieren. Aber Regierungen, die das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit missachten und die Menschenrechte mit Füßen treten, verdienen keine Unterstützung.

Die westlichen Staaten belassen es oft bei Lippenbekenntnissen, die schnell geopfert werden, für strategische oder wirtschaftliche Interessen. Realpolitik heißt dann: ‚Du kannst der größte Gauner auf Gottes Erden sein, aber solange du an der Macht bist, hofieren wir dich. Wehe dir, wenn du nicht mehr an der Macht bist.‘

Eine weitere große Herausforderung für Afrika mit seinen vielen Volksgruppen ist die Ethnisierung der Politik. Die Folgen des Systems einer ‚ethnischen Föderation‘, wie wir es derzeit in Äthiopien erleben, sind Konflikte zwischen den Volksgruppen und letztlich ethnische Säuberungen mit neuen Flüchtlingsströmen.

Europa muss Afrika dabei helfen, nicht auszubluten

Aktuell begreifen zahlreiche afrikanische Staatsführer auch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie als gute Gelegenheit, ihre Macht weiter zu sichern, indem sie Sonderrechte einführen und Ausnahmezustände proklamieren. Die medizinische Katastrophe durch Covid-19 hält sich in Afrika bisher in Grenzen. Doch zeichnet sich ab, dass die wirtschaftlichen und politischen Folgen für die Menschen in Afrika verheerend sein werden.

Letztlich müssen die Afrikaner ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Europa kann und sollte ihnen dabei helfen. Es kann nur im Interesse Europas sein, wenn aus dem ausblutenden Kontinent Afrika ein Kontinent der Zukunft wird.

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