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Flug wegen Virus ausgefallen? Diese Rechte haben Passagiere jetzt

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    Seit wir wieder reisen dürfen, nimmt der Flugverkehr langsam zu – vom Normalbetrieb ist er jedoch noch weit entfernt. Deshalb müssen Urlauber jederzeit auch mit Stornierungen und Verspätungen rechnen. FOCUS Online erklärt, welche Rechte Passagiere trotz Pandemie haben.

    Corona hat die Flugbranche hart getroffen und fast zum Erliegen gebracht – denn Tausende von Flügen mussten wegen der Pandemie gestrichen werden. Und Tausende von Fluggästen warten noch heute darauf, ihr Geld zurückzubekommen – obwohl Airlines den Ticketpreis eigentlich innerhalb von sieben Tagen rückerstatten müssen. „Denn trotz Corona gilt auch hier die EU-Fluggastrechteverordnung uneingeschränkt“, erklärt Julia Zeller, Referentin der Verbraucherzentrale Bayern gegenüber FOCUS Online.

    Kunden müssen keine Gutscheine annehmen

    Dass Airlines es Fluggästen nicht immer leicht machen, ihr Recht einzufordern – zum Beispiel bei Zahlung von Entschädigungen wegen Flugverspätungen -, wissen Verbraucherschützer und viele Kunden aus eigener Erfahrung. Die durch die Pandemie sich verschärfende wirtschaftliche Schieflage vieler Airlines hat ihre ohnehin oft zögerliche Zahlungsbereitschaft noch verstärkt.

    Flug verspätet oder annulliert? (Anzeige)

    Mit Flugrecht können Sie ganz einfach bis zu 600 Euro Entschädigung von der Airline einfordern. Der Anspruch gilt für alle Flüge seit 2017, die mehr als 3 Stunden Verspätung hatten oder gestrichen wurden – auch bei Überbuchung und Flugzeitenänderung.

    Deshalb wollten Airlines auch lieber Kunden mit Gutscheinen versorgen anstatt Ticketgelder zu erstatten, aber das scheiterte am Widerstand der EU-Kommission. Zwar beschloss der Bundestag Anfang Juli, dass eine Gutscheinlösung erlaubt sei und machte entsprechende Vorgaben dazu, doch annehmen müssen Verbraucher sie dennoch nicht.

    Höchste Zeit also, dass die Airlines, die bis dato immer noch säumig sind, den betroffenen Passagieren ihr Geld erstatten. „Verbraucher sollten jetzt nicht länger hingehalten werden“, erklärt Zeller. So kündigte beispielsweise die Lufthansa bereits an, die Beträge auszuzahlen, die Abwicklung könne allerdings noch bis zu sechs Wochen in Anspruch nehmen. 

    Die Fluggastreche im Überblick:

    Laut Fluggastrechte Verordnung Nr. 261/2004 der EU steht Passagieren bei Verspätungen ab drei Stunden am Zielort eine Entschädigung von mehreren 100 Euro zu.

    Dafür gibt es nur zwei Voraussetzungen: Es muss sich dabei um eine Airline mit Sitz in der EU handeln und um Flüge, die in der EU starten oder landen; außerdem darf die Verspätung nicht durch außergewöhnliche Umstände wie Streik, Terror oder Naturkatastrophen verursacht worden sein. Die Höhe der Entschädigung richtet sich dabei nach der Länge der Flugstrecke:

    • bei Flugstrecken bis 1500 Kilometer 250 Euro pro Person
    • bei Flugstrecken ab 1500 Kilometer innerhalb der EU 400 Euro pro Person
    • bei Flugstrecken zwischen 1500 und 3500 Kilometer 400 Euro pro Person
    • bei Flugstrecken über 3500 Kilometer 600 Euro pro Person

    Schon ab zwei Stunden Verspätung kostenloses Essen und Getränke

    Passagieren, die am Flughafen festsitzen und warten müssen, steht aber nicht nur eine Entschädigung in Form von Geld zu, sondern auch bestimmte Betreuungsleistungen seitens der Airline. Denn diese muss schon ab zwei Stunden Verspätung den Fluggast mit kostenlosem Essen und Getränken versorgen und ihm ermöglichen, Telefonate zu führen bzw. E-Mails zu versenden. Folgende Regelungen gelten laut EU-Verordnung diesbezüglich:

    • ab zwei Stunden bei Flügen bis 1500 Kilometer: kostenloses Essen, Getränke, Telefonate, E-Mails
    • ab drei Stunden bei Flügen zwischen 1500 und 3500 Kilometer: kostenloses Essen, Getränke, Telefonate, E-Mails
    • ab vier Stunden bei Flügen ab 3500 Kilometer: kostenloses Essen, Getränke, Telefonate, E-Mails
    • ab fünf Stunden bei allen Flügen: Anspruch auf eine alternative Beförderung oder Rücktritt vom Vertrag und die Rückerstattung der Kosten für das Flugticket
    • bei Abflug am nächsten Tag gültig für alle Flüge: Übernachtung im Hotel und Erstattung der Transferkosten

    Welche Fluggastrechte gelten in Zeiten von Corona

    Da Corona nach wie vor noch grassiert und mutmaßlich auch noch lange nicht vorbei sein wird, herrscht bei Verbrauchern im Moment große Verunsicherung. Viele trauen sich wegen der momentanen Lage erst gar nicht, einen Flug zu buchen. Denn was passiert, wenn es zu einer erneuten Corona- und Stornierungswelle oder auch zu massiven, pandemiebedingten Flugverspätungen kommt? „Grundsätzlich gelten die Fluggastrechte auch während der Pandemie“, erklärt die Verbraucherschützerin.

    Werde ein Flug seitens der Airline gestrichen, bestünde deshalb ein Recht auf eine Ersatzbeförderung oder die Erstattung des Flugpreises. Dasselbe gelte auch, wenn wegen Überbuchung ein Passagier nicht mitfliegen könne.

    Lesen Sie dazu auch: Urlaub trotz Corona – Großer Quarantäne-Planer: Welche Länder Corona-Risikogebiete sind – und wo es brenzlig ist

    Unklare Lage bei Entschädigung wegen Verspätung

    Kommt es allerdings wegen Corona zu Verspätungen, sieht die Situation etwas anders aus. „Normalerweise haben Reisende ab einer Verspätung von drei Stunden einen Anspruch auf eine Entschädigung“, so Zeller. Allerdings nur, wenn diese nicht durch außergewöhnliche Umstände wie Streik, Terror oder Naturkatastrophen verursacht wurde.

    „Im Moment ist noch nicht rechtlich geklärt, ob Corona als außergewöhnlicher Umstand gewertet wird“, so die Juristin. Darüber müssen erst noch Gerichte entscheiden. Allerdings rät sie, dennoch Entschädigungsansprüche bei Verspätungen gegenüber der Airline geltend zu machen. “Letztendlich müssen Verbraucher dann abwarten”, erklärt sie. Denn vermutlich werden Airlines auch hier alles daran setzen, die Ansprüche abzuwehren.

    Wer aus Angst vor Corona Flug storniert, erhält kein Geld zurück

    Wer einen gebuchten Flug wegen Corona absagen will, hat ebenfalls schlechte Karten. “Wenn die Ticketbedingungen keine Umbuchung oder Stornierung erlauben, haben Verbraucher kein Anrecht auf Erstattung des Ticketpreises”, so Zeller. Entwickelt sich zum Beispiel das gebuchte Ziel zum Corona-Hotspot, ist das das Risiko des Verbrauchers.

    Das gilt bei einem individuell gebuchten Flug auch, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausspricht. “Es handelt sich in diesem Fall nicht um eine Pauschalreise, die in so einem Fall dann kostenfrei storniert werden darf”, so die Juristin. Auch Angst berechtige Fluggäste nicht zur kostenfreien Stornierung. Verschärfe sich die Lage am Zielort könne man letztendlich nur auf die Kulanz der Airline hoffen, ein Anspruch auf eine Erstattung des Ticketpreises gebe es aber nicht. 

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