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Alexej Nawalny: Russland kritisiert “deutsche Eile” und zweifelt an Diagnose

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Das Wichtigste in Kürze: Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny liegt im Koma, nachdem er auf einem Flug plötzlich ohnmächtig wurde. Mittlerweile wird er in Deutschland behandelt. Während die russischen Ärzte keinen Hinweis auf Vergiftung gefunden haben wollen, sehen das die Ärzte der Berliner Charité ganz anders.

Russland kritisiert “deutsche Eile” und zweifelt daran, dass Vergiftungs-Diagnose sicher ist

Dienstag, 25. August, 11.57 Uhr: Moskau hat mit Unverständnis auf die Gift-Diagnose der Berliner Charité am Montag reagiert. Der Kreml kritisierte die “deutsche Eile” bei der Diagnose. Die behandelnden Ärzte in Berlin hatten in ihrer Diagnose eine Intoxikation durch eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer festgestellt.

Die Diagnose der deutschen Charité-Klinik über den Zustand der russischen Oppositionellen deute nicht darauf hin, dass er definitiv vergiftet wurde, sagte der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, in Moskau der Agentur Interfax. Zu den Gerüchten über eine Komplizenschaft des Kremls bei der angeblichen Vergiftung Nawalnys sagte Peskow, dass “dies nicht wahr ist und nicht ernst genommen werden kann”.

Nach Angaben von Peskow “stimmt die medizinische Analyse der deutschen Ärzte absolut mit unserer überein, aber die Schlussfolgerungen sind unterschiedlich”. Mit Blick auf die Mitteilung der Charité vom Vortag sagte Peskow: “Wir haben nichts Neues erfahren.” Russische Ärzte seien aber bereit, Proben der ersten Analyse den Ärzten in Berlin zur Verfügung zu stellen.

Der EU-Repräsentant für Auswärtige Angelegenheiten, Josep Borrell, sagte am Dienstag, die Europäische Union fordere eine unabhängige russische Untersuchung des Zustands des Kreml-Kritikers.

Merkel nach Charité-Befund: “Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen”

18.21 Uhr: Nach Hinweisen der behandelnden Berliner Ärzte auf eine Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die russischen Behörden eindringlich zur Aufklärung aufgefordert. Die Behörden in Russland seien nun “dringlich aufgerufen, diese Tat bis ins letzte aufzuklären – und das in voller Transparenz”, erklärten Merkel und Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Montag in Berlin. “Die Verantwortlichen müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden.”

Charité-Ärzte geben bekannt: Befunde weisen auf Vergiftung Nawalnys hin

Montag, 24. August, 16.17 Uhr: Alexej Nawalny wurde ziemlich wahrscheinlich vergiftet. Das melden die behandelnden Ärzte der Berliner Charité. In einer Erklärung heißt es: “Die klinischen Befunde weisen auf eine Intoxikation durch eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer hin. Die konkrete Substanz ist bislang nicht bekannt und es wurde eine weitere breitgefächerte Analytik initiiert. Die Wirkung des Giftstoffes, d.h. die Cholinesterase-Hemmung im Organismus, ist mehrfach und in unabhängigen Laboren nachgewiesen.” Nawalny werde mit dem Gegenmittel Atropin behandelt. Der russische Oppositionelle liegt noch immer im Koma, es bestehe jedoch keine akute Lebensgefahr. “Der Ausgang der Erkrankung bleibt unsicher und Spätfolgen, insbesondere im Bereich des Nervensystems, können zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden.”

Sprecher Seibert stellt klar: Nawalny kein förmlicher Regierungsgast in Berlin

12.52 Uhr: Die Bundesregierung hat klargestellt, dass es sich bei dem in Berlin medizinisch behandelten Kremlkritiker Alexej Nawalny um keinen Gast der Regierung handelt. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte am Montag in Berlin, es gebe “keine förmliche Einladung”. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe lediglich ihre Bereitschaft erklärt, dem möglicherweise vergifteten Nawalny auf Wunsch der Familie die Einreise aus humanitären Gründen zu ermöglichen. Der Transport und die Behandlung seien jedoch privat organisiert worden.

Nawalny war am Samstag aus dem 4000 Kilometer entfernten Omsk nach Berlin gebracht worden, wo er nun in der Charité behandelt wird. In der Klinik wird er von Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) bewacht.

“Schließlich handelt es sich um einen Patienten, auf den mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein Giftanschlag verübt worden ist”, erklärte Seibert. “Es war klar, dass nach seiner Ankunft hier Schutzmaßnahmen getroffen werden mussten.” Im Gespräch der Fachbehörden sei entschieden worden, dem BKA diese Aufgabe zu übertragen. Nach Paragraf 6 des BKA-Gesetzes ist das BKA unter anderem zuständig für den Personenschutz von Mitgliedern der Bundesregierung sowie für deren ausländischen Gäste.

Russische Ärzte bestreiten Druck von außen bei Diagnose im Fall Nawalny

12.42 Uhr: Die Ärzte im sibirischen Omsk, die den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny unmittelbar nach dessen plötzlicher Erkrankung untersuchten, waren bei ihrer Diagnose nach eigenen Angaben “keinerlei Druck” von außen ausgesetzt. “Wir haben mit niemandem eine Diagnose vereinbart”, sagte Chefarzt Alexander Murachowski bei einer Online-Pressekonferenz am Montag. “Auf uns wurde keinerlei Druck von außen, von Medizinern oder anderen Kräften ausgeübt.”

Mit großen Anstrengungen sei es ihnen gelungen, das Leben des 44-Jährigen zu retten, sagte Murachowski weiter. Der bekannte Anti-Korruptions-Aktivist und scharfe Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin war am vergangenen Donnerstag in das Krankenhaus in Omsk eingeliefert worden, nachdem er auf einem Flug nach Moskau heftige Krämpfe bekommen und das Bewusstsein verloren hatte.

BKA-Beamte bewachen Nawalny in Charité – Vertrauter äußert Hoffnung

Montag, 24.8.2020, 0.01 Uhr: Der Filmproduzent Jaka Bizilj geht davon aus, dass der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny den möglichen Giftanschlag überleben wird. Im Politik-Talk “Die richtigen Fragen” auf “Bild live” sagte Bizilj am Sonntagabend: “Aus meiner Sicht ist die entscheidende Frage, ob er das unbeschadet übersteht und seine Rolle weiter einnehmen kann.”

Bizilj, der den Transport Nawalnys aus Sibirien nach Berlin zur Behandlung in der Charité organisiert hatte, fügte hinzu: “Wenn er das unbeschadet übersteht, was wir alle hoffen, dann ist er sicherlich trotzdem mindestens ein, zwei Monate aus dem politischen Gefecht weg.”

Nawalny liegt seit Donnerstag im Koma. Sein Team geht davon aus, dass er vergiftet wurde. Behandelt wird er jetzt in der Universitätsklinik Charité in Berlin-Mitte – unter dem Schutz des Bundeskriminalamts (BKA). “Der polizeiliche Schutz von Alexej Nawalny wurde zunächst durch den Bund übernommen”, sagte ein Regierungssprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Zuvor hatte ein Spezialflieger den 44-Jährigen aus Omsk ausgeflogen, ein Intensivtransporter der Bundeswehr hatte ihn unter starkem Polizeischutz in die Klinik gebracht. Erst nach Abschluss der Untersuchungen und nach Rücksprache mit der Familie wollen sich die behandelnden Ärzte äußern. Die Untersuchungen würden einige Zeit in Anspruch nehmen, hieß es. In Berlin ist auch Nawalnys Frau Julia und sein enger Vertrauter Leonid Wolkow. Beide besuchten Nawalny am Sonntag in der Klinik.

Nawalnys engster Kreis hatte den russischen Behörden und Ärzten vorgeworfen, mit einer Verzögerungstaktik einen raschen Transport verhindert und so mögliche Beweise vertuscht zu haben. Dass er schließlich nach Deutschland gebracht werden konnte, haben vor allem seine Frau und sein Team möglich gemacht. Sie hatten sehr hartnäckig den Behörden widersprochen. Die Ehefrau bat schließlich sogar Präsident Wladimir Putin, den Transport zu erlauben.

Nawalny ist einer der schärfsten Kritiker des Kremlchefs. Er ist der führende Kopf der liberalen Opposition. Nawalny holte die Opposition quasi aus der Schockstarre, nachdem der angesehene Regierungskritiker Boris Nemzow 2015 erschossen wurde.

Nawalny-Team verschiebt Statement über Zustand des Oppositionspolitikers

13.46 Uhr: Die Mitarbeiter des prominenten Kremlkritikers Alexej Nawalny haben ihre für Sonntag angekündigte Auskunft über die mögliche Vergiftung des Oppositionellen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. “Wir werden das aber definitiv später machen”, schrieb Leonid Wolkow am Sonntagnachmittag auf Twitter. Genaue Gründe für die Verschiebung nannte er nicht. Wolkow arbeitet für Nawalnys sogenannten Fonds zur Bekämpfung zur Korruption und ist einer seiner engsten Vertrauten. Er hatte am Sonntag auch dessen Frau Julia in die Berliner Universitätsklinik Charité begleitet.

Zuvor hatten er und Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch angekündigt, in ihrem Internetkanal über die mögliche Vergiftung des Kremlkritikers sprechen zu wollen. “Wir werden alles erzählen, was zurzeit über Alexejs Vergiftung bekannt ist”, schrieb Jarmysch ursprünglich. Wann das nun sein wird, war zunächst nicht bekannt.

Nawalnys engster Kreis geht davon aus, dass der Kremlkritiker vergiftet wurde. Die russischen Ärzte hingegen sprechen lediglich von einer Stoffwechselstörung. Nawalny ist einer der schärfsten Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin.

Russland-Beauftragter der Bundesregierung fordert “transparente Aufklärung”

12.35 Uhr: Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Dirk Wiese, hat eine transparente Aufklärung im Fall Alexej Nawalny gefordert. “Der Vorwurf der Vergiftung steht im Raum. Die rapide Verschlechterung von Nawalnys Gesundheitszustand muss glaubwürdig, transparent und kooperativ mit den russischen Behörden aufgeklärt werden”, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Sonntag). Man müsse zunächst abwarten, was die Untersuchungen in der Charité ergäben. Die Ärzte dort hätten die nötige Expertise und Erfahrung.

Auf die Frage nach möglichen diplomatischen Folgen für den Fall, dass sich der Vorwurf bestätige, antwortete Wiese, dass er sich nicht an Spekulationen beteilige. “Erst einmal müssen die Ärzte den Grund für seine schwere Erkrankung finden. Dies gilt es abzuwarten und dann entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen”, so Wiese zum RND.

Kurz vor möglicher Vergiftung: Behörden sollen Nawalny “akribisch” beobachtet haben

Sonntag, 23. August, 09.35 Uhr: Kremlkritiker Alexej Nawalny soll nach einem Bericht vor seiner möglichen Vergiftung von den Behörden genau beobachtet worden sein. “Das Ausmaß der Überwachung überrascht mich überhaupt nicht, wir waren uns dessen bereits bewusst”, schrieb seine Sprecherin Kira Jarmysch am Sonntag auf Twitter. “Aber es ist erstaunlich, dass sie nicht gezögert haben, allen davon zu erzählen.” Hintergrund ist ein Artikel der Moskauer Boulevardzeitung “Moskowski Komsomolez”. Darin werden detailgenau alle Bewegungen des Oppositionellen bei seiner Reise durch Sibirien beschrieben.

Nawalny liegt seit Donnerstag im Koma und wird künstlich beatmet. Sein Team geht davon aus, dass er während der Reise durch Sibirien Opfer eines Giftangriffs wurde. In dem Artikel beruft sich die Zeitung auf nicht näher genannte Sicherheitskreise. Darin wird beschrieben, wo sich Nawalny zu jedem Zeitpunkt aufhielt, mit wem er sprach und wo er übernachtete. Das Team soll mehrere Hotelzimmer angemietet haben, Nawalny sei aber in eine “konspirative” Wohnung gebracht worden. Jemand aus seinem Team soll Sushi bestellt haben. Dabei sollen die Behörden ihn die ganze Zeit beschattet haben, heißt es in dem Beitrag weiter.

Wenn es überhaupt eine Vergiftung gegeben haben soll, könne das wahrscheinlich nur am Flughafen oder im Flugzeug passiert sein, hieß es als Schlussfolgerung. “Alle Bewegungen und Kontakte in der Stadt wurden akribisch untersucht.”

Charité: Umfangreiche Untersuchungen bei Nawalny

11.10 Uhr: Der mit schweren Vergiftungssymptomen in die Berliner Charité gebrachte russische Oppositionelle Alexej Nawalny wird im Klinikum zunächst umfangreich untersucht. Nach der medizinischen Diagnostik und Rücksprache mit der Familie würden sich die Ärzte zu der Erkrankung und weiteren Behandlungsschritten äußern, erklärte die Universitätsklinik am Samstag. Die Untersuchungen würden einige Zeit in Anspruch nehmen. Sobald Erkenntnisse vorlägen, werde auch die Öffentlichkeit informiert.

Nawalny in Berliner Charité angekommen

10.26 Uhr: Der Kremlkritiker Alexej Nawalny ist am Samstagmorgen in der Berliner Universitätsklinik Charité eingetroffen. Dort soll der 44-Jährige behandelt werden. Ein Intensivtransporter der Bundeswehr brachte ihn in die Klinik.

Nawalnys Zustand sei während des Fluges und nach der Landung “stabil” gewesen, sagte Bizilj der “Bild”. Bizilj war an der Organisation eines Rettungsflugzeugs mit medizinischem Personal aus Deutschland beteiligt.

Nawalny ist in Berlin gelandet

08.46 Uhr: Der möglicherweise vergiftete Kremlkritiker Alexej Nawalny ist laut seiner Sprecherin mit einem Spezialflug zur Behandlung in Berlin eingetroffen. Der 44-Jährige landete am Samstagmorgen am Flughafen Tegel, wie seine Sprecherin Kira Jarmysch und der Filmproduzent Jaka Bizilj mitteilten.

Nach möglicher Vergiftung: Nawalny unterwegs nach Deutschland

Samstag, 22. August, 6.59 Uhr: Der prominente Kremlkritiker Alexej Nawalny ist nach einer möglichen Vergiftung zur Behandlung mit einem Spezialflugzeug nach Deutschland unterwegs. Das teilte seine Sprecherin Kira Jarmysch in der Nacht zum Samstag nach Abflug in der sibirischen Großstadt Omsk im Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Omsk nahe der Grenze zu Kasachstan liegt rund 4000 Kilometer von Berlin entfernt, der Flug dauert mehrere Stunden. Der 44-Jährige liegt seit Donnerstag im Koma und wird künstlich beatmet. Nach der Ankunft in Berlin soll er im Charité-Krankenhaus behandelt werden.

Auch der Flughafenleiter in Omsk bestätigten den Abflug der Agentur Interfax. “Vielen Dank an alle für die Unterstützung. Der Kampf um Alexejs Leben und Gesundheit fängt gerade erst an, und es gibt noch viel zu tun. Zumindest ist aber jetzt der erste Schritt getan”, schrieb Jarmysch weiter.

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cvh/cba/dpa/AFP


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