in ,

Uruguay wird in Pandemie zum Vorreiter-Staat: “Freiheit und Verantwortung”

Uruguay wird in Pandemie zum Vorreiter-Staat: "Freiheit und Verantwortung" thumbnail

    Montag, 07.09.2020, 17: 09

    Der Kontrast zwischen Uruguay und anderen lateinamerikanischen Ländern könnte kaum größer sein. Während Brasilien und Argentinien als Corona-Hotspots gelten, sind in Uruguay gerade einmal 45 Menschen an Covid-19 gestorben. Was macht das Land besser als seine Nachbarn?

    Die Zahlen aus Lateinamerika sind erschreckend: Brasilien verzeichnet inzwischen die zweitmeisten Corona-Toten weltweit, auch in Argentinien und Peru wütet die Pandemie unerbittlich. Fast wie ein Wunder wirkt da die Lage im Nachbarland Uruguay: Dort hat man im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Staaten die Corona-Krise bisher erstaunlich gut bewältigt.

    So sind in Uruguay laut der Johns Hopkins University aktuell 175 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 45 Menschen sind seit Beginn der Pandemie an Covid-19 gestorben. Insgesamt wurden bis heute 1679 Fälle gezählt. Zum Vergleich: Allein in Brasilien hat das Virus bereits über 126.000 Menschen das Leben gekostet, angesteckt haben sich mittlerweile über 4,1 Millionen. Dass Uruguay sich in der Corona-Krise deutlich besser schlägt als seine Nachbarstaaten, liegt laut Beobachtern und Experten an mehreren Aspekten.

    Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

    Hygiene in Randgebieten, Tests in Ballungszentren

    Zum einen ist Uruguay mit seinen rund 3,5 Millionen Einwohnern ein eher dünn besiedeltes Land. Der Vorteil: Im Gegensatz zu Ballungszentren ist das Ansteckungsrisiko in weitläufigeren Regionen geringer. Zum anderen gibt es in Uruguay kaum Elendssiedlungen, in denen Menschen dicht an dicht leben. Wie die “Tagesschau” berichtet, würden die wenigen Slums in Uruguay zudem über fließendes Leitungswasser verfügen. So könnten Hygieneregeln eingehalten und Infektionsrisiken verringert werden.

    In Ballungsräumen wie der Hauptstadt Montevideo dürfte laut “Frankfurter Allgemeiner Zeitung” jedoch ein anderer Aspekt zentral gewesen sein, um die Corona-Rate niedrig zu halten: Tests. So habe eine Gruppe von Forschern am Institut Pasteur in Montevideo früh mit deren Entwicklung begonnen – und zwar noch bevor das Coronavirus Uruguay erreichte. Bereits im März seien flächendeckende Tests verfügbar gewesen und Forschungslabors zu Diagnosezentren umgebaut worden, heißt es im Bericht der “FAZ”. Im Gegensatz zu Brasilien oder Peru war es in Uruguay also schnell möglich, Ansteckungswege zurückzuverfolgen und das Infektionsgeschehen einzudämmen.

    Investitionen in Sozialpolitik und Gesundheitssystem

    Möglicherweise griff die Regierung in Uruguay auch deshalb nicht auf ähnlich strenge Corona-Schutzmaßnahmen zurück wie andere Länder. Trotz Grenz- und Schulschließungen gab es in Uruguay keine Ausgangssperre. Stattdessen wurden die Bürger angehalten, Masken zu tragen und Abstand zu wahren. Präsident Luis Lacalle Pou setzte auf Einsicht und Freiwilligkeit. Und tatsächlich: Die Bevölkerung hielt sich an die Vorgaben. Wie José Luis Satdjian, ein Staatssekretär im Gesundheitsministerium, der “New York Times” im Juni sagte, hätten die Menschen verstanden, wie wichtig es sei, “sich um sich selbst und umeinander zu kümmern”.

    Daneben profitiert Uruguay in der Corona-Krise von seinem politischen System. Laut dem aktuellen Bertelsmann Transformationsindex (BTI) belegt der Staat den ersten Platz unter den demokratischsten und marktwirtschaftlichsten Transformationsländer in Lateinamerika und der Karibik. Nicht nur in Bildung und Sozialpolitik investierte man in den vergangenen Jahrzehnten, sondern auch in das Gesundheitssystem. Es gilt inzwischen als widerstandsfähig, bei den Gesundheitsausgaben pro Kopf liegt Uruguay in Südamerika an der Spitze.

    Die Welt ist besser als ihre schlechten Nachrichten – FOCUS Online versorgt Sie jeden Freitag mit den besten Geschichten aus dem Bereich Perspektiven. Abonnieren Sie hier kostenlos den Newsletter:

    Strategie der “Freiheit und Verantwortung”

    Insgesamt scheint die Strategie der “Freiheit und Verantwortung”, wie die “FAZ” Präsident Pou zitiert, in Uruguay zu funktionieren. Aktuellstes Beispiel: Während in Argentinien und Bolivien nicht daran zu denken ist, hat in Uruguay der Schulunterricht längst wieder begonnen. Es ist nicht das erste Mal, dass das Land zum Vorreiter Lateinamerikas wird: Früher als in anderen Staaten wurde in Uruguay das Frauenwahlrecht eingeführt, auch das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche ist dort längst im Gesetz verankert.

    Trump pöbelt gegen Witwe von Steve Jobs und hetzt seine Anhänger auf sie

    sca


    Coronacare

    What do you think?

    193 points
    Upvote Downvote

    Written by admin

    Lascia un commento

    Il tuo indirizzo email non sarà pubblicato. I campi obbligatori sono contrassegnati *

    Keine Hilfen trotz Lockdown: Selbstständiger muss von Altersrücklagen leben thumbnail

    Keine Hilfen trotz Lockdown: Selbstständiger muss von Altersrücklagen leben

    ISS 437.800 MHz cross band FM repeater activated thumbnail

    ISS 437.800 MHz cross band FM repeater activated