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Stau-Chaos in Österreich: Mutter berichtet von “menschenunwürdiger” Situation

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Am Wochenende waren tausende Menschen stundenlang vor der österreichisch-slowenischen Grenze gefangen – ohne Essen, Trinken, oder Toiletten. Eine Reiserückkehrerin hat FOCUS Online von den erschreckenden Szenen vor Ort berichtet.

Zum vierten Jahr infolge waren Inessa Besedin, ihr Mann und ihre beiden Kinder, 5 und 7 Jahre alt, in Kroatien im Sommerurlaub. Auf der Rückfahrt in ihre Heimatstadt Edewecht in Niedersachsen erlebte die Familie eine “Vollkatastrophe”, wie Inessa FOCUS Online erzählt.

Ohne Vorwarnung gefangen auf der Autobahn

14 Stunden lang war die Familie im Auto gefangen. Der Stau begann circa 20 Kilometer vor dem Karawanken-Tunnel, der österreichisch-slowenischen Grenze. Es war halb drei Uhr nachmittags, Sonne, 34 Grad. “Am Anfang war der Stau noch einigermaßen vorhersehbar, aber nachdem wir uns nach zwei Stunden immer noch keinen Zentimeter weiterbewegt haben, fanden wir die Situation ganz und gar nicht lustig”, sagt Inessa. Niemand blieb in den Autos. Die Leute schnappten frische Luft, einige spielten Federball, tanzten, oder sonnten sich.

Nach und nach bewegten sich die Kolonne ein wenig. “Wir standen, fuhren circa fünf Autolängen weiter und standen wieder – das 14 Stunden lang”, sagt Inessa. Ihre Kinder wurden immer hungriger. “Auf sowas waren wir nicht vorbereitet, um 23 Uhr hatten wir nur noch eine halbe Flasche Wasser”, so Inessa. Es gab keinerlei Möglichkeiten, auf Toilette zu gehen: “Kinder, Männer, Frauen, Hunde – alle mussten sich irgendwie selbst helfen, das heißt den Berg hoch und ins Gebüsch. Eine Vollkatastrophe!”

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Niemand wusste, was passiert und wie es weitergeht

Am schlimmsten war für Inessa die Ungewissheit, wie, wann und ob es weitergeht. “Die einen sprachen von einem Unfall, die anderen sagten, an der Grenze werde auf Corona getestet, dann gab es die Spekulationen, die Grenzen seien komplett zu. Wir fühlten uns gefangen”, so Inessa.

Auf der gegenüberliegenden Seite hielten deutsche Urlauber an und erzählten, dass an der Grenze eine Spur geöffnet sei, und die sei leer. “Die Menschen um uns herum waren entsetzt. Coronatest? Stichprobenartiges Fiebermessen? Und uns lassen sie hier so lange aufeinander hocken?”, berichtet Inessa von der Stimmung vor Ort.

“Einige waren kurz davor, zu kollabieren”

Auch nachts spielten die Kinder zusammen, die Menschen haben in ihrer Not miteinander kommuniziert. Manche haben sich auf den Boden gelegt, um etwas schlafen zu können. Eine Mutter lief verzweifelt über die Fahrbahn und bat andere, um heißes Wasser für ihr Baby, damit sie dem Kind Milch anrühren kann. “Ich hatte Angst um Menschen, die ich nicht kenne. Einige waren kurz davor, zu kollabieren. Wir haben uns gegenseitig ausgeholfen”, sagt Inessa. “Das grenzte an Körperverletzung”.

Vor der österreichischen Grenze verteilte das Rote Kreuz Wasser. Doch der Mitarbeiter habe ebenso wenig weitergewusst, als Inessa ihn nach einer Toilette fragte. An der Grenze wurden die Pässe kopiert und die Reisenden mussten ein Formular ausfüllen: soher sie kommen, wohin sie fahren – und unterschreiben, dass sie sich nicht in Österreich aufhalten werden. “Wir durften nicht in Österreich anhalten: weder zum Tanken, Essen oder um auf Toilette gehen zu können”, sagt Inessa. “So etwas Menschenunwürdiges habe ich noch nie erlebt.”

Steigende Zahl von Corona-Infektionen bei Reiserückkehrern

Österreich hatte am Samstag wegen der steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Kroatien die Grenzkontrollen verschärft. Alle Durchreisenden, die in Kroatien waren, müssen ein Formular ausfüllen und sich registrieren. Am Samstag steckten Rückkehrer deswegen mehr als 12 Stunden in Slowenien im Stau fest. Nach Angaben von Reisenden vor Ort begannen österreichische Beamte am Sonntagmorgen, Fahrzeuge durchzuwinken, und die Kolonne verkürzte sich.

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